Presse

GEDENKVERANSTALTUNG: Erinnerung bewegt

Liederabend mit Odelia Lazar und Jörg Erb in der Kirche Mühlenbeck

MÜHLENBECK - „Es war Zeit für sie zu reden“, singt Jörg Erb, während er die Saiten seiner Gitarre anschlägt. „Die Zeit heilt keine Wunden“, lautet ein weiterer Vers. Der Liedermacher verarbeitet auf diese Weise die Erinnerungen an seinen verschwiegenen Vater und dessen autobiografische Aufzeichnungen, die mehrere Kisten füllten. Hans F. Erb hatte sich mit 16 Jahren freiwillig zur Waffen-SS gemeldet und unter anderem an der Erschießung eines 16-jährigen Deserteurs teilgenommen. Eine schwere Lebensbürde, an der noch der Sohn weiterträgt.

Seine melancholischen und eingängigen Lieder sprechen von Leid, Verdrängung, Schuld und Scham. Es geht um Gefühle, „die nicht sein dürfen“, sagt Sänger Erb im Interview vor Konzertbeginn. Doch so schwergewichtig die Themen wiegen und wohl noch lange wiegen werden, so unkompliziert und leicht fließen seine lyrischen Texte und melodischen Noten.

Die musikalische Bandbreite reicht von Balladen über Blues und moderner Klassik bis hin zu jiddischem Klezmer. Gewichtigen Anteil daran hat die in Israel geborene Musikerin Odelia Lazar, die ihre eigene, völlig konträre Familiengeschichte in das Programm einfließen lässt. Zwei in der Mühlenbecker Kirche aufgestellte Fotos zeigten ihre Großeltern Rachel und Aaron Lazar, die im slowakischen Dorf Jilena in Viehwaggons gepfercht, nach Auschwitz gebracht und unmittelbar nach ihrer Ankunft in die Gaskammer getrieben wurden, berichtet Odelia Lazar. „Die Fotos sind das Einzige, was mir von ihnen geblieben ist.“ Das Einzige neben den jiddischen Liedern: „Meine Mutter hat sie von ihrer Mutter gelernt und mir beigebracht.“ Auch davon erklangen welche in Mühlenbeck.

Der Liederabend unter dem Titel „Vom Staub, vom Stern und den Steinen“ wurde vom Verein „Demokratie leben“ veranstaltet – im Rahmen seiner Veranstaltungsreihe „Zeit des Erinnerns – Für die Zukunft“. Filippo Smaldino-Stattaus vom Fachbeirat des Vereins hatten die gegensätzlichen Familienbiographien der beiden Musiker angeregt, das Konzert zu organisieren, sagte er. Als Gastgeber fungierte die evangelische Kirchengemeinde Mühlenbeck in Person von Pfarrer Bernhard Hasse...- Märkische Allgemeine (Helge Treichel)

Folker! 03/07

Schwieriges hat sich Jörg Erb mit Zwölf  vorgenommen, wenn er die Kruste des Schweigens aufbricht, die seine Kindheit traumatisierte. Er singt zu annehmbarer Akustikgitarre und professioneller Bluesharp, liest gänsehauterregend aus Kriegstagebüchern seines Vaters, der im Dezember 1944 mit 17 zur Waffen-SS kam und an der Hinrichtung eines Deserteurs teilnahm, und widmet diesem eine eindrucksvolle Ballade („Bredas Grab“).

Rhein-Lahn-Zeitung vom 03.04.2007

Poesie und Musik im Einklang

Kultur im Hannott’s: Mit packender Stimme singt Jörg Erb Lieder zum Mensch-Sein

Beat Brechbühl macht Texte „wandfähig“

 

Gedichte und Lyrik aus aller Welt, Musik, die ins Mark trifft: Mit einem ungewöhnlichen Kultur-Mix machte das Restaurant „Hannott’s“ in Weisel Lust auf mehr

 

WEISEL. „Komm, erzähl mir was, was von dir,… ich hör dir zu“, singt Jörg Erb mit seiner rauchig-tiefen Stimme. Die Liedzeile seines Songs „Erzähl mir was“ passt perfekt zu dem kulturellen Abend im Weiseler Restaurant „Hannott’s“.

Das Publikum hört gebannt zu, was Jörg Erb zu singen und der Schweizer Dichter Beat Brechbühl zu erzählen haben. Dabei geht es nicht um oberflächliche Kunst, nein, die beiden berichten über ihre Arbeit und sich selbst; wie einzelne Stücke entstanden sind, warum sie sie mögen. Die Zuschauer bekommen einen tiefen Einblick in das Denken der Künstler und die Leidenschaft, die sie in ihre Arbeit stecken. Das urig-rustikale Obergeschoss des „Hannott’s“ schafft, sanft beleuchtet, genau die richtige Atmosphäre für diesen Abend. Überall stehen große DIN-A3-Bilder mit geraden, geschwungenen oder schräg angeordneten Textzeilen an den Wänden.

Beat Brechbühl erklärt die Bedeutung der sogenannten Bodoni-Poesie-Blätter. „Es gibt einen Spruch: Lieber einen guten Text an der Wand als ein schlechtes Bild im Schrank. Ich mache die Texte wandfähig“, sagt der Künstler.

Mit den Texten meint er Gedichte und Lyrik aus aller Welt, die er einzeln gestaltet und auf Papier druckt – in Handarbeit. Warum er sich für einen bestimmten Text oder eine bestimmte Gestaltungsart entschieden hat, erklärt Brechbühl an einzelnen Beispielen. Mit dem gestalteten Gedicht von George Mackay Brown, einem seiner Lieblingsdichter, wollte er zeigen, wie der Dichter arbeitet, denkt und schreibt.

Anschließend gestalten die beiden Künstler den Abend im Wechsel. Jörg Erb singt mit seiner packenden Stimme Lieder über das Mensch-Sein und die damit verbundenen Gefühle, und Beat Brechbühl liest mit wohlklingender, ruhiger Stimme einfühlsame und nachdenklich stimmende Gedichte. Durch die Erklärungen zu jedem Stück ist das Publikum zu jeder Zeit in den Abend einbezogen und nicht bloß Zuschauer.

Das Konzept geht auf: Herrscht bei den einzelnen Darbietungen andächtige und gespannte Stille, schallt am Ende der Vorstellung umso lauter der Applaus durch den Raum. Für das Publikum ist am Schluss klar, dass dieser Abend einer Fortsetzung bedarf.    Carolin Krause

Stimmen zur CD "Zwölf":

"Meisterhaft, wie in diesen Stücken Gefühl und Geschichte miteinander verschränkt sind: ernst, leise, eindringlich. Kaum je hat man einen inbrünstigeren Gesang gehört. Und kaum je eine schönere Formulierung: 'die Nacht wirft ihre Netze mit der blauen Hand'." 

Matthias Altenburg (Jan Seghers), Frankfurt

„Diese CD ist in jeder Hinsicht ein wahres Kunststück: Der Liedermacher und Lyriker Jörg Erb schafft es, mit 16 wunderbaren Liedern und Gedichten das  Private in eine öffentliche Form zu gießen, die nie peinlich wird. Thema ist das  schwierige Verhältnis zur eigenen Kindheit und zur Vergangenheit des Vaters, der sowohl mit Tagebucheinträgen als auch mit eigener Stimme zu Wort kommt. Erb schreibt Lieder voll aufgerauter Melancholie mit eingängigen, intensiven, aber nie glatten Melodien und mit doppelbödigen Texten, die man sich besser mehrmals anhört. Hier hat jemand sein ganz eigenes Thema und seine ganz eigene Stimme gefunden  und ein Konzeptalbum geschaffen, das in der deutschen Liedermacherszene seinesgleichen sucht.“

Robert Zimmer, Berlin

(Autor zahlreicher philosophischer Bücher, u.a. „Das Philosophenportal“, dtv, 2004)

"...Anklänge von Waldeck über Dylan bis zu heutigen Gitarrensounds. Die Stimme liegt sehr schön und eigenwillig darüber. Und die Mundharmonika gibt ein wenig Bluesstimmung..."

Günter Kämpf, Anabas Verlag

 

Rhein-Lahn-Zeitung vom 12.12.2006

Erinnerungen des Vaters aufgearbeitet

Erbs Musik ist persönlich und keine leichte Kost

 

St. Goarshausen. „Irgendwer muss um ihn weinen, irgendwer, der weinen darf“, singt Jörg Erb mit kraftvoll rauchiger Stimme. Das kleine Publikum hört seinen Klängen gebannt zu. Applaus am Ende des traurigen Liedes. „Bredas Grab“, so der Titel des Songs, der von einem 16-jährigen Kriegsdeserteur handelt, der gestellt wird und so den Tod findet. Das Stück ist eines von 15 weiteren auf der CD „Zwölf“, die Jörg Erb am Sonntagabend in St. Goarshausen vorgestellt hat.

Der Titel hat für ihn eine ganz besondere Bedeutung. „Ich erzähle in den Liedern über die Jahre 1933 bis 1945, also zwölf Jahre, die ich selbst nicht miterlebt habe, aber meine Eltern. Und die Erlebnisse meiner Eltern in dieser Zeit hatten auch auf mich Einfluss“, erzählt der 46-jährige.

Mit seinen Texten arbeitet er nicht nur Kindheitserinnerungen und so manchen Albtraum auf, sondern auch die Kriegstagebücher seines Vaters. Mit 16 Jahren trat Erbs Vater der Waffen-SS bei, nach dem Krieg wollte er sich das Leben nehmen. „All diese Details habe ich erst vor wenigen Jahren, lange nach dem Tod meines Vaters, herausgefunden“, sagt Erb.

Erb verrät, er könne sich noch sehr gut daran erinnern, wie er als Kind vor dem verschlossenen Arbeitszimmer seines Vaters saß und nicht zu ihm hinein konnte, obwohl er sich so sehr nach dessen Aufmerksamkeit gesehnt hatte. In „Das Arbeitszimmer“ arbeitet er diese Ereignisse auf.

„Die Liedtexte auf der CD sind alle zwischen 1979 und 2005 entstanden“, informiert er seine Zuhörer. Doch 2005 kam ihm die CD noch nicht vollständig vor. „Erst nachdem ich ein Stück aus den Kriegstagebüchern meines Vaters und eine alte Tonbandaufnahme, auf der auch der kleine Jörg zu hören ist, mit auf die Platte aufgenommen habe, war ich zufrieden“.

Für den Musiker war es wichtig, seine damaligen Eindrücke verarbeiten zu können. In spontanen Eingebungen schrieb er die eindrucksvollen Stücke nieder, und lässt mit jedem Lied den Zuhörer ein Stück weit an seinen Erlebnissen und Gefühlen teilhaben. Seine Musik begleitet Jörg Erb selbst mit der Gitarre. In langsamen und gefühlvollen Melodien versucht er, die nicht ganz einfachen Texte an den Zuhörer zu bringen. (Carolin Krause)

Die CD ist bei Jörg Erb in der Rheinstraße 13 in St.. Goarshausen für 15,- Euro erhältlich und ein Muss für alle, die keine Scheu haben, sich mit gehaltvollen Texten auseinanderzusetzen.

 

RZ-Online Artikelarchiv vom 04.09.2006

Fritz Rau plauderte aus seinem Leben

Der legendäre Konzertveranstalter war zu Besuch auf der Loreley

Fritz Rau und die Loreley Freilichtbühne. Das gehört für Jörg Erb zusammen. Deshalb lockte er den legendären 76-jährigen Konzertveranstalter in den ehemaligen Backstage-Bereich der Bühne, damit er aus seiner Biografie "50 Jahre Backstage - Erinnerungen eines Konzertveranstalters" lesen möge.

LORELEY. Aus den Wäldern dringt immer wieder das Geschrei von Mädchen durch die Nacht, als auf der Unterbühne der Loreley Freilichtbühne Deutschlands Konzertveranstalter Nummer eins, Fritz Rau, einem erlesenen Publikum aus seinem bewegten Leben erzählt. Er tut dies anhand seiner 2005 erschienenen Biografie "50 Jahre Backstage - Erinnerungen eines Konzertveranstalters". Dieses Mal also als Künstler, nicht als Macher im Hintergrund. Der Unterschied war nicht zu spüren.

Die 10- bis 16-jährigen Mädchen draußen streunen wie Hunderte ihrer Artgenossen übers Loreleyplateau, um die Zeit vor dem Konzert der Teenie-Band "Tokio Hotel" totzuschlagen, die erst am Sonntagabend spielen wird. 22 Uhr Stunden zuvor liest ein 76-Jähriger im ehemaligen Backstage-Bereich der Freilichtbühne. Großer können Unterschiede kaum sein. Rau und seinen Erlebnissen mit den Rolling Stones, Prince oder Marlene Dietrich hätten die Jugendlichen besser zugehört, als sich den Gefahren der Nacht auszusetzen. Auch deren Eltern wären bei Fritz Rau gut aufgehoben gewesen, um sich einmal richtig die Leviten lesen zu lassen, ob ihres verantwortungslosen Verhaltens.

Fritz Rau, der selbst sieben Enkel seine Schätze nennt, spricht von der "Heimkehr auf die Loreley". Er bringt Erinnerungen ins Spiel mit Bob Dylan, der einst von der Loreleybühne begeistert war und ein großes Konzert gab. Er erzählt von Begegnungen mit Freddie Mercury und seinem "schwachen Charakter", als Mick Jagger Mitte der 70er-Jahre in dessen Kabine vorschlug, doch mal ein Open-Air-Konzert zu geben. "Das war damals eigentlich überhaupt nicht mein Metier", gibt Rau zu, der bis Mitte der 70er-Jahre nur Hallengigs organisiert hatte.

Zwischendurch, und das verleiht dem Abend viel Atmosphäre, spielen Jörg Erb und Stefan Scheid mit ihren Gitarren unter anderem Bob-Dylan-Klassiker. Erb singt und erfreut Fritz Rau damit sichtlich. Der berichtet anschließend davon, wie Marlene Dietrich ihn mit hustenstillenden Mitteln die frisch verheiratete Brust einschmierte und wie er es schaffte, den coolen Prince zum Lächeln zu bringen. Das Publikum lacht, raunt und klatscht. Fritz Rau strahlt Präsenz aus und entführt gestenreich und wortgewandt in das große Musikgeschäft, während draußen die Kinder, geblendet von Marketing-Ideen wie "Tokio Hotel", lärmen. Was für eine Szenerie. Fritz Rau kennt das Geschäft und sogar die Teenie-Band, die er gar adelt: "Ich gebe zu, ,Tokio Hotel' einmal live gesehen zu haben. Ich bin sogar bis zur letzten Zugabe geblieben, und die haben eine für ihr Alter erstaunliche Leistung abgeliefert." Na wenigstens einer, der offen ist für Neues.    

   Markus Wakulat

RZ-Online Artikelarchiv vom 18. Juli 2006

Ernst und heiter

Kulturelles in einer alten Scheune geboten

WEISEL. Kritische und nachdenkliche Texte über Glück und Unglück berührten die Zuhörer beim "Kleinen Abend Glück" im Restaurant Hannott's in Weisel. Im ersten Stockwerk des früheren Bauernhofs las Matthias Altenburg (Pseudonym Jan Seghers) sowohl eigene als auch Texte von Brecht über Kleist bis zu Luther. Begleitet wurde er dabei musikalisch von seinem Freund Atilla Korap.

Die Kunst des Arrangements der Texte bestand darin, einen Spannungsbogen einzubauen, der sowohl 500 Jahre Geschichte als auch die Jahreszeiten berücksichtigte. Neben traurigen Beiträgen gab es auch etwas zum Schmunzeln.

Das Programm entstand fast zufällig. Während Altenburg als hauptberuflicher Autor die Texte schrieb, komponierte der Gitarrist Korap die passenden Arrangements. Von ihrem Heimatort Frankfurt zum Hannott's nach Weisel kamen die beiden dann durch Konzertveranstalter Jörg Erb aus St. Goarshausen: "Ich gehe oft und gerne nach Weisel, weil die Atmosphäre im Hannott's einfach einmalig ist. Hier konnte ich mir eine derartige Veranstaltung gut vorstellen, und die Betreiber waren auch sofort einverstanden."

Die Lesung war die erste Kulturveranstaltung in der Form, die Erb bislang im Hannott's organisierte. "Aber für mich sind durchaus noch weitere Kulturtage in Weisel denkbar", erklärte er. Das Hannott's feierte sein Einjähriges, nachdem die Betreiber vier Jahre lang den Bauernhof zu einem einladenden Restaurant umgebaut hatten.

Davon waren auch die Gäste sichtlich beeindruckt. "Das waren wunderschöne Arrangements in einer wunderschönen alten Scheune", sagte eine Zuhörerin. (jh)

Rhein-Zeitung vom 16. November 2005:

Jörg Erb und Odelia Lazar

Spürbare Nähe zum Publikum

Odelia Lazar und Jörg Erb sangen Lieder und texteten gegen das Vergessen des Krieges - Erster Kulturabend im Alten Rathaus

"Dem Krieg entgegen - zum Ende des Krieges". So lautete der Titel der ersten kulturellen Veranstaltung im restaurierten Alten Rathaus in St. Goarshausen. Die Künstler Odelia Lazar und Jörg Erb hatten eingeladen, sich mit dem Krieg und seinen Verbrechen auseinander zu setzen.

ST. GOARSHAUSEN. "Zeit zu erinnern, Zeit zu trauern, Zeit zu leben." Mit diesen Worten brachte ein Gast das zum Ausdruck, was Jörg Erb und Odelia Lazar mit ihrer Veranstaltung "Dem Krieg entgegen - zum Ende des Krieges" erreichen wollten. Das rundum gelungene und einfühlsame Programm, das die beiden Künstler aus eigenen Liedern und Texten zusammengestellt hatten, begeisterte das Publikum im Alten Rathaus von St. Goarshausen.

Nach der aufwendigen Restaurierung des Alten Rathauses durch die Bürgerinitiative Altstadt war dies nun die erste kulturelle Veranstaltung, die in den neuen Räumen über die Bühne ging, wie die erste Beigeordnete der Stadt St. Goarshausen, Christa Langenbrinck, in ihrer Einführung betonte. Odelia Lazar und Jörg Erb hatten dazu eingeladen, gemeinsam der Reichpogromnacht am 9. November 1938 zu gedenken. Rund 50 Gäste folgten der Einladung und erlebten einen intensiven und bewegenden Abend, der zum Nachdenken und zur Auseinandersetzung mit diesem viel zu sehr verdrängten Thema anregte.

Die Auswirkungen der NS-Zeit auf die nachfolgenden Generationen beschäftigt Odelia Lazar und Jörg Erb schon seit langem. Aus der gemeinsamen musikalischen Arbeit und vielen Gesprächen entstand schließlich der Wunsch, sich des Themas auch künstlerisch anzunehmen. Jörg Erb: "In den letzten Jahren habe ich viele Lieder geschrieben, die sich mit den Erlebnissen meiner Familie während der NS-Zeit auseinander setzen. Diese Stücke entstehen intuitiv, und oft kann ich erst mit etwas Abstand verstehen, wie viel Schmerz sich darin verbirgt. Diesen Schmerz habe ich schon als Kind gespürt, und meine Musik ist für mich wie ein Ventil."

Mit großer Ehrlichkeit und ohne Scheu erzählten Lazar und Erb die Geschichten ihrer Familien, und durch die Offenheit der beiden entstand eine spürbare Nähe zwischen Künstlern und Publikum, und so blieb auch Raum für die Gefühle der Gäste - und auch für deren Tränen.

Die stimmige Auswahl der Texte - Gedichte von Paul Celan, Auszüge aus Kriegstagebüchern von Jörg Erbs Vater und Aufzeichnungen von Odelia Lazars Onkel, der von den Nationalsozialisten verfolgt wurde - sowie die gefühlvoll dargebotenen Stücke - eigene Kompositionen und traditionelle jiddische Lieder - ermöglichten einen Dialog mit den Gästen. So blieb im Anschluss an das Konzert ein Großteil der Gäste noch auf ein Glas Wein und nutzte die Möglichkeit des Austauschs mit den beiden Künstlern.